Stabile BU-Versicherung trotz Niedrig-Zinsen

Trotz der weiterhin niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt können sich die BU-Versicherer behaupten. Obwohl der gesunkene Rechnungszins bzw. Garantiezins für geringere Überschüsse sorgt, kann die Kostensteigerung für die Berufsunfähigkeitsversicherung in Grenzen gehalten werden.

BU-Versicherung Überschussbeteiligung

Überschussbeteiligung der BU-Versicherer sinkt nicht so stark wie der Zinssatz

Die Zinsen sind niedrig, zum Teil bereits negativ. Und das schon seit Jahren, ohne dass ein Ende dieser Phase in Sicht wäre. Signale aus den USA beeinflussen das Zinsniveau in Europa bislang nicht. Was Häuslebauer freut, wird für die Versicherer und ihre Kunden zum ernsten Problem.

Der Aufbau eines Altersvermögens funktioniert nur, wenn es Zinsen auf das eingesetzte Kapital gibt. Ansonsten müssen drastisch höhere Beiträge zurückgelegt werden, um beim Ausscheiden aus dem Erwerbsleben das gleiche Geld auf der hohen Kante zu haben.

Der Zinseffekt trifft nicht nur die Lebens- und Rentenversicherung. Auch die Berufsunfähigkeitsversicherung ist von den niedrigen Kapitalmarktzinsen betroffen.

Alle Versicherungen sind vom Niedrigzins betroffen

Selbst die Kunden der Autoversicherung bekommen die ausbleibenden Kapitalerträge zu spüren. Früher mussten die Beiträge nicht unbedingt reichen für Schadenzahlungen und Verwaltungskosten.

Rückstellungen in mehrstelliger Milliardenhöhe, beispielsweise für die Renten von Unfallopfern, brachten so viel Zinsen, dass die Unternehmen kleine versicherungstechnische Verluste durchaus verkraften konnten. Das ist heute anders – die Versicherer sind auf Sparkurs und müssen auch an der Beitragsschraube drehen.

Deckungsrückstellungsverordnung

Besonders deutlich wird das in den Versicherungszweigen, in denen die Deckungsrückstellungsverordnung gilt. Hinter diesem Wortungetüm verbirgt sich eine verbindliche Rechenregel für alle Rentenverpflichtungen aus Versicherungsverträgen.

Damit die Versicherer keine Versprechen machen, die sie nicht halten können, legt das Finanzministerium per Verordnung einen Höchstrechnungszins fest, mit dem die Versicherer maximal kalkulieren dürfen. Dieser orientiert sich an langfristigen Marktzinsen. Zum 1. Januar 2017 ist er von 1,25 % auf 0,90 % gesunken – ein historischer Tiefststand.

BU-Versicherer müssen Kosten neu berechnen

Auch die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU-Versicherung) ist eine Sparte, die Beiträge langfristig anlegt. Viele Versicherte schließen einen Vertrag in jungen Jahren ab, das Risiko einer Berufsunfähigkeit wächst aber mit zunehmendem Alter. Hierfür bilden die Versicherer Rückstellungen und kalkulieren eine Verzinsung ein, um die BU-Rente auszahlen zu können.

Der Kunde erkennt dieses Konzept an einem Bruttobeitrag (Tarifbeitrag) und einem Nettobeitrag (Zahlbeitrag) in seinem Vertrag. Der Nettobeitrag liegt niedriger, solange der Versicherer Überschüsse erwirtschaftet. Diese Überschüsse sind aber nicht garantiert. Die Folge: Der Versicherer darf den tatsächlich zu zahlenden Beitrag bis auf die Höhe des Bruttobeitrags anheben.

Überschüsse werden aber nicht nur aus Kapitalerträgen erwirtschaftet. Auch eine vorsichtige Risikokalkulation ist eine bedeutende Überschussquelle, durch die niedrigen Zinsen mittlerweile sogar weit bedeutsamer als die Kapitalerträge. Auch Kostendisziplin in der Vertragsverwaltung und bei den Provisionen wirkt positiv auf die Überschüsse.

Berufsunfähigkeitsversicherung vergleichen

Weil die Leistungsseite für den Kunden schwer durchschaubar ist und sich die Bedingungen auch sehr ähneln, ist der Preis das wohl wichtigste Kriterium bei der Auswahl des Vertragspartners für eine BU-Versicherung, die unter Umständen auf eine Laufzeit von mehreren Jahrzehnten angelegt ist.

Die Rating-Agentur Franke & Bornberg, ein anerkannter Branchenkenner, stellt die berechtigte Frage, ob ein Blick auf den aktuellen Preis nicht zu kurz gesprungen sei, und schlägt einen Stabilitätsindex zumindest als zusätzliches Kriterium vor.

BU Rating durch Franke Bornberg

Interessant an diesem Ansatz ist, dass die finanzielle Ausstattung und die Stabilität der Überschüsse nur einen Teil der Punkte in den Wertungskategorien ausmachen. Franke & Bornberg verfolgt stattdessen versicherungstechnische Ansätze. Die bedarfsgerechte Kalkulation der Beiträge und die Einschätzung der Risiken mittels konkreter Antragsfragen werden hoch bewertet.

Ein Versicherer, der seine Risiken zu nicht auskömmlichen Preisen einkauft, wird über kurz oder lang Probleme bekommen und Überschüsse aus dem Schadenverlauf nicht mehr generieren können. Für die Kunden, die sich beim Vertragsabschluss zu sehr auf den Netto-Zahlbeitrag fokussiert haben, bedeutet das überraschende Preissteigerungen.

Berufsunfähigkeitsversicherung Test

Auch Dynamik-Vereinbarungen, also Anpassungen der BU-Rente ohne erneute Gesundheitsprüfung, sieht Franke & Bornberg kritisch. Erreicht die versicherte Rente nämlich das Nettoeinkommen des Versicherten, steigt das subjektive Risiko eines Leistungsantrags drastisch – bis hin zur Verdopplung der Fallzahlen.

So schön niedrige Einstiegsbeiträge und hohe Dynamik-Angebote für den Einzelnen sein mögen, für die Kalkulation eines Versicherten-Kollektivs sind sie pures Gift. Dem Interessenten an einer BU-Versicherung sei deshalb vor einem langfristigen Vertragsschluss der Blick auf Stabilitätskriterien ans Herz gelegt. Dazu dient der BU-Versicherung Test mit zahlreichen Vergleichen.

Die gute Nachricht: Die Mehrzahl der von Franke & Bornberg im BU Test analysierten Versicherer trotzt der Zinsflaute mit einem sehr guten oder guten Stabilitätsindex.

Weitere Artikel aus dieser Kategorie