Warum eine Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll und wichtig ist

Die eigene Arbeitskraft ist unersetzlich, und sie ist Millionen wert. Legt man das Durchschnittseinkommen im produzierenden Gewerbe und die durchschnittliche Lebensarbeitszeit in Deutschland zugrunde, ergibt das stolze 1,6 Millionen Euro im Laufe eines Erwerbslebens.

BU Versicherung sinnvoll

Die Berufsunfähigkeitsversicherung gehört zu den sinnvollsteen und wichtigsten Versicherungen

Ein bis auf die Grundmauern abgebranntes Haus kann man wieder aufbauen, auch wenn es lange dauert. Wer aber nicht mehr arbeiten kann, wird ohne private Vorsorge zum Sozialfall. Die Absicherung über die gesetzliche Rentenversicherung war noch nie üppig, und spätestens seit der Rentenreform von 1999 ist sie nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein.

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU-Versicherung) ist sinnvoll und deshalb – zusammen mit der Haftpflichtversicherung – die wichtigste private Versicherung und schon vor dem Start ins Berufsleben unverzichtbar.

Erwerbsminderung ist nicht Berufsunfähigkeit

Die gesetzliche Rentenversicherung leistet bei verminderter Erwerbsfähigkeit. Sprachlich liegen die Begriffe Erwerbsminderung und Berufsunfähigkeit zwar dicht beieinander, juristisch betrachtet haben sie aber völlig unterschiedliche Bedeutungen.

Die Erwerbsminderungsrente ist im Sechsten Sozialgesetzbuch geregelt. Bis Ende 2000 gab es auch dort eine Unterscheidung zwischen Berufs‑ und Erwerbsunfähigkeit, die aber für neue Rentenfälle abgeschafft wurde. Lediglich die Geburtsjahrgänge bis 1960 genießen noch einen Vertrauensschutz.

Voraussetzung für die gesetzliche Erwerbsminderungsrente

Gezahlt wird eine Rente ansonsten nur noch, wenn Arbeitnehmer mindestens teilweise erwerbsgemindert sind. Teilweise Erwerbsminderung ist gegeben, wenn sie irgendeinen (!) Beruf nicht noch mindestens sechs Stunden täglich ausüben können. Eine volle Erwerbsminderung liegt erst vor, wenn das Leistungsvermögen unter drei Stunden täglicher Arbeit sinkt.

Wieviele Stunden Arbeit am Tag?

Wer also zwischen drei und sechs Stunden am Tag arbeiten kann, bekommt zwar eine gekürzte Erwerbsminderungsrente, muss sich im Übrigen aber trotz Krankheit oder Behinderung um eine Teilzeitstelle kümmern. Bei der Feststellung der Erwerbsfähigkeit ist zudem jeder soziale Abstieg zumutbar, und der Rentenversicherungsträger darf auf jeden Beruf verweisen, unabhängig davon, ob es freie Stellen gibt.

Wartezeit und Pflichtbeiträge in der Rentenversicherung

Zudem müssen die grundsätzlichen Leistungsvoraussetzungen in der Rentenversicherung gegeben sein. Das heißt, es muss eine fünfjährige Wartezeit erfüllt sein und in den letzten fünf Jahren vor Eintritt der Erwerbsminderung muss der Versicherte Pflichtbeiträge an die Rentenversicherung gezahlt haben. Bei einer Erwerbsminderung vor Beginn des Berufslebens oder in den ersten fünf Jahren geht der Betroffene also leer aus und erhält keine Rentenzahlung.

Die private Berufsunfähigkeitsversicherung als sinnvolle Vorsorge

Die gesetzliche Situation macht deutlich: Eine umfassende Absicherung des sozialen Status bei Krankheit oder Unfall ist politisch nicht gewollt, und sie wäre auch kaum bezahlbar. Das Berufsunfähigkeitsrisiko ist Privatsache. Würde sich diese Erkenntnis durchsetzen, ließe sich die magere Quote von rund 25 % BU-versicherter Erwerbstätiger sicher verbessern.

Die private Versicherungswirtschaft hält für ihre Kunden maßgeschneiderte Lösungen zur Absicherung des BU-Risikos bereit. Während die Sozialversicherung ihre Leistungen nur ganz allgemein an die Arbeitskraft knüpft, bezieht sich eine private Berufsunfähigkeitsversicherung stets auf den ganz konkreten Beruf, den der Versicherte zuvor ausgeübt hat.

Versicherungsvertragsgesetz VVG regelt Mindeststandards in BU-Versicherung

Die Definition, was unter Berufsunfähigkeit zu verstehen ist, steht nicht nur in den jeweiligen Allgemeinen Versicherungsbedingungen, sondern auch das Versicherungsvertragsgesetz (VVG) regelt seit der Neufassung 2008 faktisch Mindeststandards. Ein Verweis auf einen anderen Beruf ist danach nur möglich, wenn dieser der Ausbildung und den Fähigkeiten, insbesondere aber der bisherigen Lebensstellung entspricht.

Verzicht auf die abstrakte Verweisung sinnvoll und wichtig

Auf eine abstrakte Verweisung, wie sie in der Sozialversicherung möglich ist, verzichten die Versicherer in ihren Geschäftsbedingungen praktisch durchgängig. Für die konkrete Verweisung gibt es oft sehr klare und kundenfreundliche Regelungen. Nicht immer ist die Einkommenssituation entscheidend – eine Unzumutbarkeit kann sich auch aus der sozialen Wertschätzung eines Berufsbilds ergeben.

  • Gerichtlich entschieden wurde beispielsweise, dass ein Maler und Lackierer eine Stelle als Hausmeister nicht annehmen muss – und zwar ohne Betrachtung der Einkommenssituation.

Kosten der Berufsunfähigkeitsversicherung nicht nur abhängig von Höhe der Rente

Die Kehrseite des maßgeschneiderten Versicherungsschutzes sind die Preise bzw. monatlichen Kosten für die Berufsunfähigkeitsversicherung, die sich exakt am jeweiligen Berufsbild orientieren. Auch wenn psychische Ursachen für Berufsunfähigkeit klar zunehmen, bergen immer noch körperlich anstrengende Berufe etwa in der Baubranche das größte Risiko, das der Versicherer mit den höchsten Beiträgen belegt. Eine Umverteilung aus sozialen Gründen gibt es in der privaten Versicherungswirtschaft nicht.

Ist die Berufsunfähigkeitsversicherung für Bezieher kleiner Einkommen wirklich nicht zu finanzieren, gibt es aber Alternativen – zum Beispiel über eine sogenannte Grundfähigkeitsversicherung. Sie leistet, wenn bestimmte für den Beruf unentbehrliche Fähigkeiten wie Sehen, Stehen, Tragen, Knien oder Bücken verloren gehen.

Wie sinnvoll die Berufsunfähigkeitsversicherung für jeden Erwerbstätigen ist, zeigt die Statistik. Danach wird jeder vierte Erwerbstätige im Laufe seines Lebens berufsunfähig und droht in die soziale Armut zu stürzen.

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