Berufsunfähigkeitsrente (BU-Rente) privat & gesetzlich: Höhe Voraussetzungen & Steuer

Unter der Berufsunfähigkeitsrente, kurz BU-Rente, versteht man die Zahlung aus einer Berufsunfähigkeitsversicherung. Eine Voraussetzung für die Zahlung der Rente ist ein mindestens vorübergehender krankheitsbedingter Verlust der Arbeitskraft von über 50 Prozent.

Wer aufgrund einer Krankheit die vereinbarte BU-Rente bei seinem Versicherer beantragen muss, sollte wissen, wie der Antrag gestellt wird, welche Voraussetzungen zu erfüllen sind und in welcher Höhe der Anspruch besteht.

Bei Neuabschluss einer BU-Versicherung sollte die Höhe der Berufsunfähigkeitsrente entsprechend der zu erwartenden Einkommenslücke aus Gehalt und gesetzlicher Rente gewählt werden.

Berechnen Sie hier die Kosten für eine Berufsunfähigkeitsversicherung mit gewünschter BU-Rente:

Voraussetzungen für die Berufsunfähigkeitsrente

Mit der Rentenreform vom 01. Januar 2001 hat sich die staatliche Versorgung bei Berufsunfähigkeit erheblich geändert. Seit diesem Zeitpunkt erhalten Versicherte nur noch eine gesetzliche BU-Rente, wenn sie vor dem Jahr 1961 geboren sind. Wer danach geboren ist, hat keinen Anspruch auf eine gesetzliche Rente wegen Berufsunfähigkeit.

Achtung: fälschlicherweise ist auf vielen Online-Portalen das Geburtsjahr 1960 als Grenze erwähnt. Das ist nicht richtig! Es gilt der Geburtenjahrgang 1961 als Voraussetzung.

Gesetzliche Erwerbsminderungsrente

Alle nach 1961 geborenen Versicherte erhalten allenfalls eine volle oder eine halbe Erwerbsminderungsrente, sofern die sehr hohen Voraussetzungen für diese staatliche Leistung erfüllt sind. Dazu muss unter anderem eine Beitragszahlung über fünf Jahre in die gesetzliche Rentenversicherung nachgewiesen werden.

Das zeigt, wie wichtig eine private Absicherung der Arbeitskraft ist. Lesen Sie hier, weshalb eine BU-Versicherung für alle nach 1961 Geborenen zu empfehlen ist:

Ab wann wird private BU-Rente gezahlt

Berufsunfähigkeitsrente

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Von der gesetzlichen BU-Rente vom Staat zu unterscheiden ist die private Berufsunfähigkeitsrente. Dabei handelt es sich um die Leistung eines privaten Versicherers. Die Leistung aus einer privaten BU-Versicherung ist nicht an ein bestimmtes Geburtsjahr gekoppelt.

Zwar hat der Versicherte ebenfalls einige Voraussetzungen zu erfüllen, allerdings hängen diese nicht vom Alter des Versicherten ab.

Mit einem ärztlichen Gutachten bzw. Attest kann dann bei der jeweiligen Versicherung der Antrag auf Auszahlung der BU Rente gestellt werden. Wichtig ist dabei, dass die Berufsunfähigkeit für einen bestimmten Zeitraum anhält. In den meisten Verträgen wird hierbei ein Prognosezeitraum von sechs Monaten vereinbart.

Stellt der Arzt also fest, dass die vorhandenen körperlichen Beeinträchtigungen länger als sechs Monate andauern werden, wird die Versicherung in aller Regel die Auszahlung der Rente gewähren.

Ab wann erhält man die gesetzliche BU-Rente?

Nach dem Sozialgesetzbuch VI tritt eine Berufsunfähigkeit ein, wenn der Erwerbstätige aufgrund einer Krankheit oder einer Behinderung weniger als sechs Stunden täglich erwerbsfähig sein kann.

Dabei wird ein Vergleich zu geistig, körperlich und seelisch gesunden Erwerbstätigen hergestellt, sofern sie eine vergleichbare Ausbildung und ähnliche Fähigkeiten und Kenntnisse haben.

Gründe für Ablehnung

Nicht als berufsunfähig gilt, wenn man eine zumutbare Tätigkeit über einen Zeitraum von täglich mindestens sechs Stunden ausüben kann. In diesem Fall wird der Antrag auf Zahlung der Berufsunfähigkeitsrente abgelehnt.

Explizit nicht berücksichtigt wird bei diesem Verweis auf andere Tätigkeiten die Arbeitsmarktlage. Auch ein geringerer Verdienst wird nicht beachtet. In der Praxis bedeutet das, dass der Versicherte keine gesetzliche BU-Rente erhält.

Wenn er einer beliebigen Tätigkeit für mindestens sechs Stunden am Tag nachgehen kann. Ob eine entsprechende Tätigkeit vor Ort erreichbar ist oder ob der Verdienst vergleichbar ist, wird nicht berücksichtigt.

Verzicht auf abstrakte Verweisung sinnvoll

Vor der Auszahlung der BU-Rente wird die Versicherung allerdings die in ihren Verträgen enthaltene Klausel zur Verweisung prüfen. Hat der Versicherer nicht auf die abstrakte Verweisung verzichtet, besteht das Recht, den Versicherten nun in einen anderen, weniger körperlich anstrengenden Beruf zu verweisen und die Rentenzahlung zu verweigern.

Die Stiftung Warentest / Finanztest weisen in ihrem Test daher immer wieder darauf hin, auf den Verzicht zur Verweisung zu achten. In diesem Fall wird die Rente gezahlt, wenn eine Weiterbeschäftigung im versicherten Beruf unmöglich ist. Ob eine anderweitige Beschäftigung aufgenommen werden kann, wird dann nicht mehr geprüft.

Die Stiftung Warentest / Fianztest hat im Auftrag der Verbraucher Verträge zur Berufsunfähigkeitsversicherung einem Vergleich unterzogen. Die Testergebnisse dienen Verbrauchern als Entscheidungshilfe. Hier die Empfehlung der Stiftung Warentest und der Verbraucherschützer:

Ab wann wird Rente wegen Erwerbsunfähigkeit gezahlt?

Während eine private BU-Rente bereits gezahlt wird, wenn der Versicherte seine letzte ausgeübte berufliche Tätigkeit noch zu höchstens 50 Prozent ausüben kann, sind die Voraussetzungen für die Zahlung der EU-Rente höher.

Der Versicherer leistet nur, wenn der Versicherte noch weniger als drei Stunden arbeiten kann. Dabei spielt es keine Rolle, ob er noch einen vergleichbaren Beruf ausüben kann oder nicht.

Von einem Handwerker könnte man also durchaus verlangen, im Büro oder als Pförtner zu arbeiten und entsprechende Einbußen beim Einkommen hinzunehmen.

Wenn der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung nicht möglich ist, gilt die Erwerbsunfähigkeitsversicherung als beste Alternative.

Voraussetzungen für die Erwerbsminderungsrente

Damit Leistungen aus der gesetzlichen Erwerbsminderungsrente greifen, sind ebenfalls strenge Bedingungen zu erfüllen. In erster Linie müssen Sie dazu mindestens 60 Monate lang Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt haben, bevor die Erwerbsminderung festgestellt wurde.

Innerhalb dieser fünf Jahre müssen 36 Monate lang Pflichtbeiträge gezahlt worden sein. Außerdem müssen Sie eine allgemeine Wartezeit von fünf Jahren erfüllen.

Ärztliches Gutachten zur Feststellung der Erwerbsminderung

Sofern Ihr Arzt feststellt, dass Sie pro Tag weniger als drei Stunden arbeiten können, erhalten Sie eine volle Erwerbsminderungsrente. Sie richtet sich in der Höhe nach ihrem letzten Gehalt und macht rund 36 Prozent Ihres Bruttoeinkommens aus.

Falls Sie noch zwischen drei und sechs Stunden täglich arbeiten können, erhalten Sie noch eine halbe Erwerbsminderungsrente. Sie beträgt rund 18 Prozent Ihres letzten Bruttoeinkommens.

Berufseinsteiger sind in den ersten 60 Monaten ihrer Berufstätigkeit nur minimal versichert. Lediglich bei einem Arbeitsunfall oder bei einer Berufskrankheit erhalten Sie eine Rente, einen Anspruch auf die gesetzliche Erwerbsminderungsrente haben Sie nicht.

Wie hoch sollte die private BU-Rente sein?

Wer krankheitsbedingt nicht mehr arbeiten kann, verliert sein Einkommen. Angenommen, Ihr Nettoeinkommen beträgt pro Monat 3.000 Euro, entfällt diese Einnahme im Zeitraum Ihrer Berufsunfähigkeit in voller Höhe.

Sofern Sie keine anderen privaten Einnahmen wie zum Beispiel aus einer vermieteten Kapitalanlage haben, haben Sie monatlich eine Versorgungslücke in Höhe von 3.000 Euro zu decken.

Wenn der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung nicht möglich ist, gilt die Erwerbsunfähigkeitsversicherung als beste Alternative. Eine weitere Alternative ist die Grundfähigkeitsversicherung als Invaliditätsschutz mit Vorteilen gegenüber der Unfallversicherung.

Im Idealfall entspricht Ihre private BU-Rente Ihrem bisherigen Nettoeinkommen. Sie sollten die BU-Rente in diesem Beispiel also über 3.000 Euro monatlich abschließen. Allerdings ist die Absicherung gegen Berufsunfähigkeit recht teuer.

Damit Ihr Versicherungsschutz bezahlbar bleibt und damit Sie bei Eintritt des Versicherungsfalls keine zu große Versorgungslücke haben, sollten Sie Ihre BU-Rente über rund 60 Prozent des bisherigen Nettoeinkommen abschließen. Im hier angenommenen Beispiel wären das 1.800 Euro monatlich.

Besser ist eine Absicherung in Höhe von 75-80 Prozent des aktuellen Nettoeinkommens vereinbart, denn so können die Miete, anfallende Kreditraten, Nebenkosten und die Lebenshaltung bequem finanziert werden. Bei hohen Kreditbelastungen kann sogar eine entsprechend höhere Absicherung angeraten sein.

Beachten Sie bitte die Beschränkungen in der Höhe der Berufsunfähigkeitsrente. Eine Absicherung höher als das Letzte Bruttoeinkommen ist nicht zulässig. Eine Höhe von mehr als 80 Prozent des letzten Bruttogehalts als BU-Rente bedarf bei vielen Versicherern eine Einzelfallprüfung.

Berufsunfähigkeitsversicherung mit Nachversicherungsgarantie

Eine BU Versicherung wird in der Regel für einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten abgeschlossen. Kaum jemand weiß heute, wie sich das eigene Einkommen entwickelt und welche Überraschungen das Leben bietet.

Aus diesem Grund empfehlen die Experten von Finanztest, auch bei der BU die Flexibilität zu wahren und eine Nachversicherungsgarantie zu vereinbaren. Mit ihr kann die Höhe der Berufsunfähigkeitsrente bei bestimmten Ereignissen wie einer Hochzeit oder der Geburt eines Kindes angepasst und ohne Gesundheitsfragen erhöht werden.

Dynamische Anpassung der BU-Rente und der Beiträge

Ebenso sinnvoll ist nach Ansicht der Experten die Dynamik, die in viele Verträge integriert werden kann. Mit ihr steigt die monatliche Rente um drei bis fünf Prozent jährlich und passt sich so der vorherrschenden Inflation an. Auch wenn die BU Rente erst nach zehn oder 20 Jahren beansprucht wird, ist sie demnach trotzdem ausreichend.

So setzen sich die Kosten für die Berufsunfähigkeitsversicherung in Abhängigkeit von den Leistungen zusammen.

Berufsunfähigkeitsversicherung Kosten

In welcher Höhe wird eine gesetzliche BU-Rente gezahlt?

Sofern Sie zum berechtigten Personenkreis für eine gesetzliche Berufsunfähigkeitsrente gehören, sollten Sie wissen, wie sich die Höhe der Rente berechnet. Sie hängt vorrangig ab von der Anzahl der bereits eingezahlten Beiträge in die Rentenkasse und von Ihrem bisherigen Bruttogehalt.

Die gesetzliche BU-Rente beträgt etwa zwischen 17 und 30 Prozent Ihres bisherigen Bruttoeinkommens. Haben Sie bisher 4.500 Euro brutto verdient, liegt Ihre gesetzliche BU-Rente also zwischen 765 Euro und 1.350 Euro.

Selbst bei 30 Prozent haben Sie im Vergleich zu Ihrem gewohnten Einkommen eine erhebliche Deckungslücke zu schließen.

Wie beantragen Sie Ihre BU-Rente?

Den Antrag für die BU-Rente reichen Sie bei der Stelle ein, die später zahlen soll. Geht es um eine private BU-Rente, ist Ihr privater Versicherer der Ansprechpartner.

Wie und wann Berufsunfähigkeitsrente beantragen? Hier finden Sie alle Infos und Hilfe bei der Antragstellung sowie Formulare als PDF zum Download

Berufsunfähigkeitsrente beantragen

Sofern Sie eine gesetzliche BU-Rente beantragen wollen, ist der Träger Ihrer gesetzlichen Rentenversicherung zuständig. Das kann die Deutsche Rentenversicherung sein, es kann sich aber auch um einen anderen Träger handeln.

Wenn Sie sich unsicher sind, werfen Sie einen Blick auf Ihren letzten Rentenbescheid. Aus dem Dokument entnehmen Sie, wer der Träger Ihrer gesetzlichen Rentenversicherung ist.

Dauer des Antrags auf Berufsunfähigkeitsrente

Bedenken Sie, dass es in jedem Fall einige Zeit dauert, bis Ihr Antrag bearbeitet ist. Das heißt, dass weder die staatliche noch die private BU-Rente sofort an Sie gezahlt wird. Das Antragsverfahren nimmt einige Zeit in Anspruch.

Neben dem eigentlichen Antrag müssen Sie in der Regel mehrere ärztliche Gutachten einreichen. Diese werden umfassend geprüft. Außerdem wird Ihre Berufsunfähigkeit amtlich dokumentiert. Der gesamte Prozess wird einige Monate dauern, in dieser Zeit erhalten Sie keine BU-Rente.

Werden BU-Rente und Erwerbsminderungsrente gleichzeitig gezahlt?

Sofern Sie eine private BU-Versicherung abgeschlossen haben, ist es möglich, die BU-Rente parallel zur Erwerbsminderungsrente zu beziehen. Eine private BU-Rente wird somit nicht auf die Erwerbsminderungsrente angerechnet.

Mit einer privaten BU-Rente können Sie die gesetzliche Erwerbsminderungsrente also sehr gut ergänzen, um die Versorgungslücke im Fall einer Berufsunfähigkeit wirkungsvoll zu schließen.

Wie wird die BU-Rente versteuert?

Die Rente aus einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung wird als Einnahme behandelt und muss in der persönlichen Steuererklärung angegeben werden.

Die private BU-Rente wird mit dem Ertragsanteil versteuert. Er richtet sich danach, wie lange Sie eine BU-Rente beziehen. Wenn Sie zum Beispiel im Alter von 45 Jahren berufsunfähig werden und der Vertrag eine Laufzeit bis zum 65. Lebensjahr hat, kommt auf einen Ertragsanteil von 21 Prozent.

So werden die Kosten der Berufsunfähigkeitsversicherung in der Steuererklärung geltend gemacht:

Berufsunfähigkeitsversicherung Steuererklärung

Sofern der Ertragsanteil unter dem Grundfreibetrag liegt, fallen keine Steuern an. Als Anhaltspunkt gilt, dass der Ertragsanteil mit der Länge der Bezugsdauer der Rente steigt. Je länger Sie also eine private BU-Rente beziehen, desto höher ist Ihr Ertragsanteil.

Oft wird die Berufsunfähigkeitsversicherung auch als BU Zusatzversicherung mit Rentenversicherung angeboten. In diesem Fall ist sowohl die BU-Rente als auch die Zahlung aus der privaten Rentenversicherung in der persönlichen Einkommenssteuererklärung anzugeben und zu versteuern.

Lesen Sie mehr über die Vor-und Nachteile einer Berufsunfähigkeitsversicherung mit Rente

Der Grundfreibetrag beträgt im Jahr 2019 9.168 Euro pro Jahr für Alleinstehende und 18.336 Euro für Ehepartner.

Hinzuverdienst: Wie viel dürfen Sie dazu verdienen?

Sofern Sie eine private BU-Rente erhalten, sind bei der Ermittlung der Freibeträge auch Hinzuverdienste zu beachten. Nebeneinkünfte können zum Beispiel durch eine geringfügige Beschäftigung (Minijob) oder durch andere kleinere Nebenjobs gegeben sein.

Wenn Ihr Einkommen aus dem Hinzuverdienst und Ihrer BU-Rente im Jahr unter dem Grundfreibetrag liegen, sind beide Einnahmen von Steuerzahlungen befreit.

Weitere Informationen rund um die private und gesetzliche Berufsunfähigkeitsrente finden Sie hier: